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EN 1090-2 Ausführungsklassen EXC1 bis EXC4 — Was gilt für Ihren Betrieb?

Die Ausführungsklasse (EXC) bestimmt den gesamten Dokumentations- und Prüfaufwand für Schweißarbeiten an Stahlbauteilen. Verstehen Sie die Unterschiede — und was EXC2 für die tägliche Arbeit im Metallbaubetrieb bedeutet.

EN 1090 und die CE-Kennzeichnungspflicht seit 2014

Seit dem 1. Juli 2014 ist die Norm DIN EN 1090 für alle tragenden Stahlbauteile und Aluminiumkonstruktionen in Europa verpflichtend. Schweißende Betriebe müssen:

  • Eine Werkseigene Produktionskontrolle (WPK) einrichten und aufrechthalten
  • Durch eine notifizierte Stelle (TÜV, DEKRA) zertifiziert werden
  • CE-Kennzeichen auf ihren Produkten anbringen
  • Dokumentation der Schweißprozesse nachweisen (WPS, WPQR, Schweißerqualifikationen)

Die vier Ausführungsklassen EXC1–EXC4 im Vergleich

EXCKonsequenzTypische AnwendungWPS/WPQRNDT ergänzend
EXC1GeringLandwirtschaft, einfache HochbautenVoranerkannte WPSNur VT
EXC2MittelTypischer Stahlhochbau, HallenISO 15614-1 Level 15–10%
EXC3HochBrücken, Stadien, KranbahnträgerISO 15614-1 Level 210–20%
EXC4Sehr hochSicherheitskritische StrukturenLevel 2, verschärftBis 100%

Wie wird die Ausführungsklasse festgelegt?

Die Ausführungsklasse wird nicht vom schweißenden Betrieb bestimmt, sondern vom Auftraggeber oder Tragwerksplaner. Die Festlegung erfolgt nach EN 1090-2 Anhang B auf Basis der:

  • Konsequenzklasse (CC): Wie schlimm sind die Folgen bei Versagen? (CC1/CC2/CC3)
  • Nutzungskategorie (SC): Ist die Belastung quasi-statisch oder dynamisch?
  • Produktionskategorie (PC): Wird in der Werkstatt oder vor Ort geschweißt?

In der Praxis gilt: Wenn kein EXC angegeben ist, gilt nach EN 1090-2:2018 Abschnitt 4 der Default EXC2 für Stahlbauteile.

WPS, WPQR und Schweißerqualifikation: Was gilt pro EXC?

EXC1

Vereinfachte Anforderungen nach Anhang D. Es können voranerkannte Schweißverfahren verwendet werden (EN 1090-2 Anhang D). Schweißerqualifikationen nach ISO 9606-1 sind trotzdem empfohlen.

EXC2 (Standardfall für die meisten KMU)

  • WPS nach ISO 15609-1 Pflicht (alle Pflichtangaben)
  • WPQR nach ISO 15614-1 Level 1 Pflicht
  • Schweißerqualifikationen nach ISO 9606-1 Pflicht
  • Schweißaufsicht: Mindestens ein Schweißfachmann (IWS) oder Schweißfachtechniker (IWT)

EXC3

  • WPS und WPQR nach ISO 15614-1 Level 2 (engere Gültigkeitsbereiche)
  • Erhöhte Anforderungen an Schweißaufsicht: Schweißfachingenieur (IWE) empfohlen
  • Erhöhter NDT-Umfang: 10–20% ergänzende ZfP

EXC4

Höchste Anforderungen. Volle Rückverfolgbarkeit aller Schweißarbeiten, bis zu 100% ZfP, verschärfte Schweißaufsicht. In der Praxis selten — nur für sicherheitskritische Strukturen.

NDT-Umfang nach EN 1090-2 Tabelle 24

Tabelle 24 der EN 1090-2 gibt den Umfang der ergänzenden zerstörungsfreien Prüfung (ZfP) vor. Die Sichtprüfung (VT) gilt immer zu 100%. Ergänzend:

  • Stumpfnähte: EXC2: 10%, EXC3: 20%
  • Kreuzförmige Verbindungen: EXC2: 10%, EXC3: 20%
  • T-Verbindungen: EXC2: 5%, EXC3: 10%
  • Kehlnähte a >12mm oder t >30mm: EXC2: 5%, EXC3: 10%
  • Kleine Kehlnähte: EXC2/EXC3: 0%/5%

Die Methode (MT/PT für ferritische Stähle oder UT/RT für innere Fehler) wählt der Schweißkoordinator — sie ist nicht normativ festgeschrieben.

Dokumentationsanforderungen pro Ausführungsklasse

Die Dokumentationspflicht wächst mit der Ausführungsklasse. Für EXC2 sind typischerweise erforderlich:

  • WPS-Register mit allen aktiven Schweißanweisungen
  • WPQR-Kopien für jede aktive WPS
  • Schweißer-Qualifikationsnachweise (ISO 9606-1 Zeugnisse)
  • 6-Monats-Bestätigungsprotokoll für alle Schweißer
  • Schweißprotokolle für tragende Schweißnähte
  • ZfP-Protokolle entsprechend Tabelle 24

Häufige Fehler beim EN 1090 Audit

  • WPS ohne gültigen WPQR-Bezug im Einsatz
  • WPQR-Geltungsbereich deckt tatsächliche Bauteildicken nicht ab
  • Schweißerqualifikationen abgelaufen oder 6-Monats-Bestätigung fehlt
  • NDT-Protokolle fehlen oder decken nicht den erforderlichen Umfang ab
  • Schweißaufsicht für EXC3 nicht ausreichend qualifiziert

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Häufige Fragen zu EN 1090-2

Welche Ausführungsklasse gilt für meinen Metallbaubetrieb?

Die Ausführungsklasse wird vom Auftraggeber oder Tragwerksplaner festgelegt, nicht vom Betrieb. Sie hängt von der Konsequenzklasse des Bauwerks ab. Typische Metallbau-KMU arbeiten hauptsächlich in EXC2 (Standard-Stahlbau). EXC3 betrifft Brücken und kritische Tragstrukturen.

Ab welcher Ausführungsklasse brauche ich eine WPS?

Ab EXC2 sind qualifizierte WPS nach ISO 15609-1 mit WPQR nach ISO 15614-1 (Level 1) Pflicht. Für EXC1 gibt es vereinfachte voranerkannte WPS nach EN 1090-2 Anhang D. Für EXC3/EXC4 gelten WPS nach Level 2.

Was ist der NDT-Umfang nach EN 1090-2 Tabelle 24?

EN 1090-2 Tabelle 24 gibt den Umfang der zerstörungsfreien Prüfung (ZfP) vor: EXC2 schreibt 5–10% ergänzende ZfP (neben 100% Sichtprüfung) vor, EXC3 10–20%, EXC4 bis zu 100%. Die konkreten Prozentsätze hängen von der Nahtart ab.

Muss ich als EXC2-Betrieb alle Schweißer nach ISO 9606-1 prüfen?

Ja. Ab EXC2 müssen alle Schweißer qualifizierte Schweißerprüfungen nach ISO 9606-1 haben, deren Gültigkeitsbereich die tatsächlich ausgeführten Schweißarbeiten abdeckt. Die Qualifikationen müssen durch den Schweißaufsichtsverantwortlichen überwacht werden.