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EN 1090-2 Ausführungsklassen EXC1 bis EXC4 — Was gilt für Ihren Betrieb?

Die Ausführungsklasse (EXC) bestimmt den gesamten Dokumentations- und Prüfaufwand für Schweißarbeiten an Stahlbauteilen. Verstehen Sie die Unterschiede — und was EXC2 für die tägliche Arbeit im Metallbaubetrieb bedeutet.

EN 1090 und die CE-Kennzeichnungspflicht seit 2014

Seit dem 1. Juli 2014 ist die CE-Kennzeichnung nach Bauproduktenverordnung (BauPVO, EU 305/2011) in Verbindung mit EN 1090-1 für serienmäßig in Verkehr gebrachte tragende Stahl- und Aluminiumbauteile verpflichtend. EN 1090-2 regelt ausschließlich die technische Ausführung (kein Konformitäts- bewertungsverfahren). Schweißende Betriebe, die solche Bauteile herstellen und in Verkehr bringen, müssen:

  • Eine Werkseigene Produktionskontrolle (WPK) nach EN 1090-1 einrichten und aufrechthalten
  • Die Erstprüfung des Produkts (ITT) durchführen und die werkseigene Produktionskontrolle durch eine notifizierte Stelle zertifizieren lassen (z. B. TÜV, DEKRA)
  • CE-Kennzeichen auf ihren Produkten anbringen
  • Eine Leistungserklärung (DoP) nach BauPVO Art. 6 ausstellen
  • Dokumentation der Schweißprozesse nachweisen (WPS, WPQR, Schweißerqualifikationen)

Nicht erfasst: nicht-tragende Bauteile, reine Verkleidungen, Zierteile sowie Bauteile, die nicht serienmäßig in Verkehr gebracht werden (z. B. individuelle Sonderanfertigungen, die direkt auf der Baustelle montiert werden – Ausnahmen sind im Einzelfall zu prüfen).

Die vier Ausführungsklassen EXC1–EXC4 im Vergleich

EXCKonsequenzTypische AnwendungWPS/WPQRNDT ergänzend
EXC1GeringLandwirtschaft, einfache HochbautenArbeitsanweisung, falls gefordert0 % (10 % ab S420)
EXC2MittelTypischer Stahlhochbau, HallenISO 15612/15611/15610 zulässig0–10 %, je Nahtart
EXC3HochBrücken, Stadien, Kranbahnträgernur Verfahrens-/Vorproduktionsprüfung5–20 %, je Nahtart
EXC4Sehr hochSicherheitskritische Strukturenwie EXC3je Naht festgelegt, mind. EXC3

Wie wird die Ausführungsklasse festgelegt?

Die Ausführungsklasse wird nicht vom schweißenden Betrieb bestimmt, sondern vom Auftraggeber oder Tragwerksplaner. Die Festlegung erfolgt nach EN 1090-2 Anhang B auf Basis der:

  • Konsequenzklasse (CC): Wie schlimm sind die Folgen bei Versagen? (CC1/CC2/CC3)
  • Nutzungskategorie (SC): Ist die Belastung quasi-statisch oder dynamisch?
  • Produktionskategorie (PC): Wird in der Werkstatt oder vor Ort geschweißt?

In der Praxis gilt: Wenn kein EXC angegeben ist, gilt nach EN 1090-2:2018 Abschnitt 4 der Default EXC2 für Stahlbauteile.

WPS, WPQR und Schweißerqualifikation: Was gilt pro EXC?

EXC1

EN ISO 3834-4 stellt für EXC1 keine spezifischen Anforderungen an Schweißanweisungen. Die Ausführungsspezifikation kann aber Arbeitsanweisungen fordern, die Verfahren, Zusatzwerkstoffe und Parameter festlegen (EN 1090-2:2018, 7.4.1.1). Schweißerqualifikationen nach ISO 9606-1 sind trotzdem empfohlen.

EXC2 (Standardfall für die meisten KMU)

  • WPS nach ISO 15609-1 Pflicht (alle Pflichtangaben)
  • Qualifikation nach ISO 15614-1 stets zu Level 2 (Tabelle 12, Fußnote a); alternativ ISO 15612, 15611 oder 15610
  • Schweißerqualifikationen nach ISO 9606-1 Pflicht
  • Schweißaufsicht: Mindestens ein Schweißfachmann (IWS) oder Schweißfachtechniker (IWT)

EXC3

  • Nur noch Verfahrensprüfung (ISO 15614-1, Level 2) oder Vorproduktionsprüfung — ISO 15611 und 15610 entfallen, ISO 15612 nur mit ausdrücklicher Freigabe
  • Erhöhte Anforderungen an Schweißaufsicht: Schweißfachingenieur (IWE) empfohlen
  • Erhöhter ZfP-Umfang: 5–20 % je nach Nahtart

EXC4

Höchste Anforderungen. Volle Rückverfolgbarkeit aller Schweißarbeiten, verschärfte Schweißaufsicht und ein ZfP-Umfang, der je identifizierter Naht in der Ausführungsspezifikation festgelegt wird — mindestens auf EXC3-Niveau. In der Praxis selten — nur für sicherheitskritische Strukturen.

NDT-Umfang nach EN 1090-2 Tabelle 24

Tabelle 24 der EN 1090-2 gibt den Umfang der ergänzenden zerstörungsfreien Prüfung (ZfP) vor. Die Sichtprüfung (VT) gilt immer zu 100%. Ergänzend:

Der Prüfumfang steigt mit der Ausführungsklasse und variiert je nach Nahtart. In EXC2 sind es 10 % bei Quer-Stumpfnähten im Stumpf- und Kreuzstoß, 5 % bei denselben Nähten im T-Stoß, 5 % bei Quer-Kehlnähten mit a > 12 mm oder t > 30 mm und 0 % bei kleineren Quer-Kehlnähten und sonstigen Längsnähten. In EXC3 verdoppeln sich diese Sätze auf 20 / 10 / 10 / 5 %. In EXC1 wird grundsätzlich nicht ergänzend geprüft — Ausnahme sind Quer-Stumpfnähte in Stahl ab S420 mit 10 %.

Für EXC4 nennt Tabelle 24 bewusst keinen Prozentsatz. Der Umfang wird dort für jede einzelne identifizierte Naht in der Ausführungsspezifikation festgelegt und muss mindestens den EXC3-Werten entsprechen (EN 1090-2:2018, 12.4.2.3 und 12.4.2.4).

Die Prozentsätze beziehen sich kumulativ auf ein Prüflos über ein rollierendes Jahr, nicht auf die einzelne Naht. Liegt die Gesamtlänge aller Nähte eines Prüfloses unter 900 mm, ist mindestens eine Naht über ihre volle Länge zu prüfen.

Die Prüfmethode (MT/PT für ferritische Stähle oder UT/RT für innere Fehler) wählt der Schweißkoordinator — sie ist nicht normativ festgeschrieben.

Dokumentationsanforderungen pro Ausführungsklasse

Die Dokumentationspflicht wächst mit der Ausführungsklasse. Für EXC2 sind typischerweise erforderlich:

  • WPS-Register mit allen aktiven Schweißanweisungen
  • WPQR-Kopien für jede aktive WPS
  • Schweißer-Qualifikationsnachweise (ISO 9606-1 Zeugnisse)
  • 6-Monats-Bestätigungsprotokoll für alle Schweißer
  • Schweißprotokolle für tragende Schweißnähte
  • ZfP-Protokolle entsprechend Tabelle 24

Häufige Fehler beim EN 1090 Audit

  • WPS ohne gültigen WPQR-Bezug im Einsatz
  • WPQR-Geltungsbereich deckt tatsächliche Bauteildicken nicht ab
  • Schweißerqualifikationen abgelaufen oder 6-Monats-Bestätigung fehlt
  • NDT-Protokolle fehlen oder decken nicht den erforderlichen Umfang ab
  • Schweißaufsicht für EXC3 nicht ausreichend qualifiziert

Wie SchweißDoku EXC-konforme Dokumentation automatisiert

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Häufige Fragen zu EN 1090-2

Welche Ausführungsklasse gilt für meinen Metallbaubetrieb?

Die Ausführungsklasse wird vom Auftraggeber oder Tragwerksplaner festgelegt, nicht vom Betrieb. Sie hängt von der Konsequenzklasse des Bauwerks ab. Typische Metallbau-KMU arbeiten hauptsächlich in EXC2 (Standard-Stahlbau). EXC3 betrifft Brücken und kritische Tragstrukturen.

Ab welcher Ausführungsklasse brauche ich eine WPS?

Ab EXC2 sind qualifizierte WPS nach ISO 15609-1 Pflicht. Wird nach ISO 15614-1:2017 qualifiziert, fordert EN 1090-2:2018 (Tabelle 12, Fußnote a) in jeder Ausführungsklasse Level 2 — Level 1 ist für EN 1090 kein gangbarer Weg. Der Unterschied liegt woanders: In EXC2 sind neben der Verfahrensprüfung auch Standard-Schweißverfahren (ISO 15612), vorliegende Erfahrung (ISO 15611) und geprüfte Schweißzusätze (ISO 15610) zulässig; ab EXC3 entfallen diese Wege. Für EXC1 stellt EN ISO 3834-4 keine spezifischen WPS-Anforderungen; die Ausführungsspezifikation kann Arbeitsanweisungen fordern.

Was ist der NDT-Umfang nach EN 1090-2 Tabelle 24?

EN 1090-2:2018 Tabelle 24 staffelt die ergänzende ZfP nach Nahtart, nicht nach Prüfverfahren — die Sichtprüfung aller Nähte über die volle Länge kommt in jeder Klasse hinzu und wird nicht in Prozent gerechnet. In EXC2: Quer-Stumpfnähte im Stumpf- und Kreuzstoß 10 %, im T-Stoß 5 %, Quer-Kehlnähte mit a > 12 mm oder t > 30 mm 5 %, kleinere Quer-Kehlnähte und sonstige Längsnähte 0 %. In EXC3 verdoppeln sich diese Sätze (20 / 10 / 10 / 5 %). Für EXC4 nennt Tabelle 24 keinen Wert: Der Umfang wird je Naht in der Ausführungsspezifikation festgelegt und muss mindestens den EXC3-Werten entsprechen.

Muss ich als EXC2-Betrieb alle Schweißer nach ISO 9606-1 prüfen?

Ja. Ab EXC2 müssen alle Schweißer qualifizierte Schweißerprüfungen nach ISO 9606-1 haben, deren Gültigkeitsbereich die tatsächlich ausgeführten Schweißarbeiten abdeckt. Die Qualifikationen müssen durch den Schweißaufsichtsverantwortlichen überwacht werden.