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ISO 15609-1 Schweißanweisung (WPS) — Erklärung, Pflichtangaben und Erstellungsanleitung

Die ISO 15609-1 ist die Norm für Schweißanweisungen beim Lichtbogenschweißen. Wer Bauteile nach EN 1090 oder ISO 3834 fertigt, braucht normkonforme WPS — mit über 30 Pflichtangaben.

Was ist ISO 15609-1 und wofür gilt sie?

Die ISO 15609-1 (Schweißanweisungen für das Schmelzschweißen — Teil 1: Lichtbogenschweißen) legt fest, welche Informationen eine Schweißanweisung (Welding Procedure Specification, WPS) enthalten muss. Sie gilt für alle Lichtbogenschweißverfahren: E-Hand (111), MIG/MAG (135/136), WIG/TIG (141), Unterpulver (121) und weitere.

Eine WPS nach ISO 15609-1 ist kein optionales Dokument — sie ist Pflicht für jeden Betrieb, der unter EN 1090 (tragende Stahlbauteile), ISO 3834 (Qualitätsanforderungen beim Schweißen) oder vergleichbaren Normen schweißt.

Wer braucht eine WPS? Scope der ISO 15609-1

Eine qualifizierte WPS nach ISO 15609-1 ist erforderlich bei:

  • EN 1090-2: Alle Schweißarbeiten an tragenden Stahlbauteilen (EXC2–EXC4 immer, EXC1 vereinfacht)
  • ISO 3834-2/-3: Maschinenbau, Druckgeräte, Fahrzeugbau mit Qualitätsanforderungen
  • AD 2000 / EN 13445: Druckbehälter- und Rohrleitungsbau
  • ISO 15614-1: Verfahrensprüfung erfordert vorherige pWPS

Die 30+ Pflichtangaben im Überblick

ISO 15609-1 Abschnitt 5 listet alle Pflichtangaben. Die wichtigsten:

AngabeBeschreibung
WPS-NummerEindeutige Kennnummer des Dokuments
WPQR-BezugReferenz auf das qualifizierende WPQR
Schweißverfahrenz.B. 135 (MAG), 141 (WIG), 111 (E-Hand)
GrundwerkstoffWerkstoffbezeichnung + ISO/TR 15608 Gruppe
SchweißzusatzTyp, Klassifikation, Hersteller
SchutzgasZusammensetzung nach ISO 14175
NahtformNahtgeometrie, Öffnungswinkel, Stegbreite
SchweißpositionPA, PB, PC, PD, PE, PF oder PG
Schweißstrom / -spannungBereich in A und V
SchweißgeschwindigkeitBereich in mm/min
StreckenenergieBerechnet: (I × U × 60) / (v × 1000) × k
VorwärmtemperaturMin. Vorwärmtemperatur
ZwischenlagentemperaturMax. Interpass-Temperatur
WärmenachbehandlungPWHT: Temperatur, Haltezeit, Abkühlrate

Schweißverfahren: Welche Prozesse deckt ISO 15609-1 ab?

ISO 15609-1 gilt ausschließlich für Lichtbogenschweißverfahren. Weitere Teile der ISO 15609-Serie behandeln andere Prozesse (Teil 2: Gasschweißen, Teil 3: Elektronenstrahlschweißen etc.).

Die häufigsten Verfahren in Metallbaubetrieben:

  • 111 — Lichtbogenhandschweißen (E-Hand) — robust, vielseitig
  • 135 — MAG-Schweißen mit Massivdraht — Standard im Metallbau
  • 136 — MAG-Schweißen mit Fülldraht — höhere Abschmelzleistung
  • 141 — WIG-Schweißen (TIG) — hochwertige Nähte, dünnwandig
  • 121 — Unterpulverschweißen (UP) — automatisiert, dicke Bleche

WPS erstellen: Schritt-für-Schritt-Anleitung

Eine WPS wird immer nach der Verfahrensprüfung (WPQR) finalisiert. Der Ablauf:

  1. Schweißaufgabe analysieren: Welcher Grundwerkstoff, welche Dicke, welche Nahtart, welche Position?
  2. pWPS erstellen: Vorläufige Schweißanweisung mit allen Planparametern (Schätzwerte für Strom, Spannung, Geschwindigkeit).
  3. Verfahrensprüfung (WPQR) durchführen: An einer anerkannten Stelle (SLV, TÜV, DEKRA). Das WPQR dokumentiert die tatsächlich verwendeten Parameter.
  4. WPS finalisieren: Alle Parameter aus dem WPQR übernehmen. Gültigkeitsbereich nach ISO 15614-1 eintragen.
  5. Freigabe und Archivierung: WPS vom Schweißfachingenieur freigeben und revisionssicher archivieren.

Typische Fehler bei der WPS-Erstellung

  • Fehlender WPQR-Bezug (WPS ohne qualifizierende Verfahrensprüfung)
  • Streckenenergie nicht berechnet oder außerhalb des WPQR-Bereichs
  • Falscher Gültigkeitsbereich: WPS deckt Bauteildicke nicht ab
  • Schweißzusatz-Klassifikation fehlt oder ist veraltet
  • Vorwärmtemperatur für den Grundwerkstoff nicht angegeben
  • Veraltete WPS-Version im Umlauf (keine Versionskontrolle)

WPS und WPQR: Wie hängt beides zusammen?

Die WPS ist das Arbeits-Dokument für den Schweißer — sie gibt an, wie geschweißt werden soll. Das WPQR ist der Qualifikationsnachweis — es beweist, dass das Verfahren geprüft und für gut befunden wurde.

Eine WPS ist nur gültig, wenn sie durch ein WPQR gedeckt ist. Der WPQR-Geltungsbereich bestimmt, für welche Materialdicken, Werkstoffgruppen und Positionen die WPS eingesetzt werden darf. Mehr dazu: ISO 15614-1 WPQR Geltungsbereich.

Wie SchweißDoku bei ISO 15609-1 hilft

Alle Pflichtfelder nach ISO 15609-1 vorgegeben — kein Feld vergessen
Streckenenergie-Berechnung direkt im Formular (E = I × U × 60 / v × 1000 × k)
Automatische Verknüpfung zur WPQR-Validierung (ISO 15614-1)
Normenkonformer PDF-Export für Audits und Kundenanforderungen
WPS normgerecht erstellen — Jetzt kostenlos testen

Häufige Fragen zu ISO 15609-1

Wer braucht eine WPS nach ISO 15609-1?

Jeder schweißende Betrieb, der Bauteile nach EN 1090 (Metallbau/Stahlbau) oder ISO 3834 (Maschinenbau, Druckgeräte) fertigt, benötigt qualifizierte WPS. Ohne gültige WPS darf nicht geschweißt werden — oder die CE-Kennzeichnung ist gefährdet.

Was ist der Unterschied zwischen WPS und pWPS?

Die pWPS (preliminary WPS) ist der Entwurf, der vor der Verfahrensprüfung erstellt wird. Nach der Verfahrensprüfung (WPQR) und ihrer Abnahme wird die pWPS zur finalen WPS. Die finale WPS ist das verbindliche Dokument für die Fertigung.

Wie viele Pflichtangaben hat eine WPS nach ISO 15609-1?

ISO 15609-1 schreibt über 30 Pflichtangaben vor, darunter Grundwerkstoff, Schweißzusatz, Schutzgas, Stromstärke, Spannung, Schweißgeschwindigkeit und Streckenenergie. Viele dieser Felder sind essenziell und fehlen häufig in Excel-Vorlagen.

Kann eine WPS für mehrere Nahtgeometrien gelten?

Eine WPS gilt für die Parameter, die im zugehörigen WPQR qualifiziert wurden. Bei unterschiedlichen Nahtgeometrien (z. B. Stumpfnaht und Kehlnaht) sind in der Regel separate WPS erforderlich, es sei denn, der WPQR deckt beide Nahtarten ab.