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EN 1090 Audit: Die 7 häufigsten Befunde – und wie Sie sie vermeiden

Auditoren von TÜV, DEKRA und SLV finden bei EN 1090-Audits immer wieder dieselben Schwachstellen. Dieser Artikel zeigt die 7 häufigsten Befunde mit konkreten Lösungsmaßnahmen.

05. Februar 20264 min Lesezeit

Ob Erst-Audit, Überwachungsaudit oder Rezertifizierung: Erfahrene Auditoren von TÜV, DEKRA, SLV und GTÜ begegnen in deutschen Schweißbetrieben immer wieder denselben Schwachstellen. Wer diese kennt und systematisch behebt, geht deutlich entspannter ins Audit — und vermeidet teure Nachbesserungen.

Was bei einem EN 1090-Audit geprüft wird

Ein EN 1090-Audit nach DIN EN 1090-1 + EN 1090-2 besteht typischerweise aus zwei Teilen:

  1. Dokumentenprüfung – Vollständigkeit und Aktualität der werkseigenen Produktionskontrolle (WPK)
  2. Betriebsbegehung – Abgleich zwischen Dokumentation und tatsächlicher Praxis

Die WPK-Dokumentation umfasst WPS, WPQR, Schweißerqualifikationen, Werkstoffzertifikate, ZfP-Protokolle, Kalibriernachweise und die Bestellung des Schweißkoordinators.

Befund 1: Fehlende oder abgelaufene 6-Monats-Bestätigungen

Häufigkeit: Sehr hoch (tritt in etwa 60% der Audits auf)

Beschreibung: ISO 9606-1 Clause 9.1 verlangt, dass die Schweißaufsicht alle 6 Monate bestätigt, dass Schweißer im qualifizierten Bereich aktiv tätig sind. Diese Bestätigungen fehlen oder sind überfällig.

Konsequenz: Die betroffene Qualifikation gilt als ausgesetzt. Alle in diesem Zeitraum ausgeführten Schweißarbeiten sind formal nicht abgedeckt.

Lösung: Monatliche Kalenderübersicht aller fälligen Bestätigungen. Alternativ: Digitale Fristenverwaltung mit automatischer Erinnerung.

Befund 2: WPS nicht durch gültige WPQR gedeckt

Häufigkeit: Hoch

Beschreibung: Eine WPS wird mit einer Schweißaufgabe eingesetzt, die außerhalb des Geltungsbereichs des zugehörigen WPQR liegt. Häufige Fälle: neue Stahlsorte (andere Werkstoffgruppe), größere Bauteildicke, andere Schweißposition.

Beispiel: WPQR erstellt für 10 mm S355 (Gruppe 1.2). WPS wird auch für 8 mm S235 (Gruppe 1.1) verwendet — das ist zulässig. Aber: dieselbe WPS wird auch für 25 mm eingesetzt — das überschreitet den Geltungsbereich (max. 20 mm bei t=10 mm, Level 1).

Lösung: Geltungsbereich jedes WPQR systematisch dokumentieren. WPQR-Geltungsbereich-Rechner nutzen. Vor der Einführung neuer Werkstoffe oder Geometrien WPQR-Abdeckung prüfen.

Befund 3: Streckenenergie fehlt in der WPS

Häufigkeit: Mittel bis hoch

Beschreibung: ISO 15609-1 macht die Angabe der Streckenenergie (Heat Input) je Schweißlage zur Pflicht. Viele WPS-Formulare enthalten dieses Feld, es wird aber nicht ausgefüllt.

Konsequenz: Die WPS ist formal unvollständig und nach ISO 15609-1 ungültig.

Lösung: Streckenenergie für jede Lage berechnen: Q = (U × I × k × 60) / (v × 1000) [kJ/mm]. Unser Streckenenergie-Rechner hilft dabei.

Befund 4: Schweißkoordinator nicht oder falsch bestellt

Häufigkeit: Mittel

Beschreibung: EN 1090-2 verlangt für EXC2 und höher einen bestellten Schweißkoordinator (Responsible Welding Coordinator, RWC). Häufige Probleme:

  • Keine schriftliche Bestellung vorhanden
  • Qualifikation des Koordinators zur Ausführungsklasse nicht passend (z. B. EWS für EXC3)
  • Koordinator hat das Unternehmen verlassen, kein Nachfolger bestellt

Lösung: Schriftliche Bestellung mit Datum, Unterschrift und Qualifikationsnachweis ablegen. Bei EXC2 mindestens IWS/EWS-Niveau, bei EXC3/4 IWE/EWE oder IWT/EWT.

Befund 5: Werkstoffzertifikate unvollständig oder fehlen

Häufigkeit: Mittel

Beschreibung: EN 10204 verlangt für Tragwerke aus EXC2+ Werkstoffzeugnisse Typ 3.1 oder 3.2. Häufig werden nur Lieferscheine ohne Werkstoffzeugnis archiviert, oder die Charge auf dem Zeugnis stimmt nicht mit der eingesetzten Charge überein.

Lösung: Werkstoffzeugnisse systematisch mit der Bestellung verknüpfen und digital archivieren. Chargennummer auf dem Bauteil oder in der Fertigungsdokumentation nachvollziehbar machen.

Befund 6: Kein Prüfplan für ZfP-Prüfungen

Häufigkeit: Mittel

Beschreibung: EN 1090-2 Tabelle 24 legt fest, welcher Anteil der Schweißnähte zerstörungsfrei geprüft werden muss (je nach Ausführungsklasse und Nahttyp). Viele Betriebe führen keine Sichtprüfprotokolle oder prüfen ohne vorherigen Prüfplan.

Konsequenz: Ohne Prüfplan kann nicht nachgewiesen werden, dass der geforderte ZfP-Umfang eingehalten wurde.

Lösung: Prüfplan für jedes Projekt erstellen: welche Nähte, welches Verfahren (VT, MT, PT, UT, RT), wann, durch wen? Prüfprotokolle mit Nahtbezeichnung und Ergebnis archivieren.

Befund 7: Kalibrierprotokolle fehlen oder sind veraltet

Häufigkeit: Mittel

Beschreibung: Schweißstromquellen, Messgeräte und ZfP-Ausrüstung müssen in kalibrierten Intervallen überprüft werden. Häufig existieren keine Kalibrierprotokolle oder die letzte Kalibrierung liegt zu lange zurück.

Lösung: Kalibrierintervalle im Wartungsplan festlegen. Externe Kalibrierung für messrelevante Geräte beauftragen und Protokolle mit Gerätebezeichnung, Datum und Nächstfälligkeit archivieren.

So bereiten Sie sich systematisch vor

8 Wochen vor dem Audit:

  • Alle Schweißerqualifikationen auf Gültigkeit prüfen (Checker nutzen)
  • WPQR-Abdeckung aller WPS verifizieren
  • Kalibrierprotokolle auf Vollständigkeit prüfen

4 Wochen vor dem Audit:

  • Fehlende Dokumente beschaffen (Werkstoffzeugnisse, Prüfzeugnisse)
  • Auditordner strukturieren (WPS, WPQR, Qualifikationen, Kalibrierung, ZfP)
  • Schweißkoordinator-Bestellung auf Aktualität prüfen

1 Woche vor dem Audit:

  • Betrieb informieren, Aushänge prüfen (WPS gut sichtbar an Arbeitsplatz?)
  • Ansprechpartner für den Auditor benennen

Fazit

Die 7 häufigsten EN 1090-Befunde sind nicht zufällig. Sie entstehen dort, wo Prozesse manuell und dezentral verwaltet werden: in Excel-Tabellen, Ordnern und E-Mail-Postfächern. Digitale Schweißdokumentation, die Fristen überwacht und Dokumente strukturiert verwaltet, eliminiert die meisten dieser Befunde systematisch.

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