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PraxisWPSISO 15609

WPS erstellen – so gelingt die erste Schweißanweisung in 30 Minuten

Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Erstellung Ihrer ersten Schweißanweisung (WPS) nach ISO 15609. Mit konkreten Beispielen für MAG- und WIG-Schweißen.

15. Januar 20264 min Lesezeit

Eine Schweißanweisung (WPS) ist mehr als ein Formular – sie ist der verbindliche Nachweis, dass Ihr Betrieb normkonform schweißt. Viele Betriebe scheuen den Aufwand, weil sie glauben, eine WPS sei kompliziert. Dabei lässt sich die erste WPS in unter 30 Minuten erstellen, wenn man weiß, was wo hingehört.

Was eine WPS leisten muss

Die WPS (Welding Procedure Specification) legt alle wesentlichen Parameter einer Schweißaufgabe fest. Sie richtet sich nach ISO 15609-1 und muss als Qualifikationsgrundlage auf einem WPQR nach ISO 15614 oder einer anderen anerkannten Qualifikation basieren.

Für den Schweißer ist sie die verbindliche Arbeitsanweisung. Für den Auftraggeber und den Prüfer (TÜV, DEKRA, SLV) ist sie der Nachweis, dass die Schweißverbindung die geforderten Eigenschaften erfüllen kann.

Der technische Inhalt im Überblick

ISO 15609-1 führt den technischen Inhalt einer WPS in §4.2 bis §4.5 auf; für einzelne Anwendungen kann die Liste ergänzt oder gekürzt werden (§4.1):

  • Identifikation: WPS-Nummer, Ausgabedatum, Revisionsstand
  • Schweißverfahren: z. B. 135 (MAG), 141 (WIG), 111 (E-Hand)
  • Grundwerkstoff: Werkstoffgruppe nach ISO/TR 15608, Normbenennung (z. B. S355J2+N)
  • Schweißzusatz: Normbezeichnung, Schutzgas nach ISO 14175 (z. B. M21 für MAG)
  • Nahtgeometrie: Nahtform, Fugenpräparation, Öffnungswinkel
  • Positionen: PA, PB, PF usw. nach ISO 6947
  • Schweißparameter pro Lage: Strom, Spannung, Drahtvorschub, Schweißgeschwindigkeit, Streckenenergie (sofern festgelegt, §4.4.17)
  • Vor- und Zwischenlagentemperatur
  • Qualifikationsgrundlage: Verweis auf WPQR-Nummer

Schritt 1: Anforderungen klären

Bevor Sie die WPS ausfüllen, klären Sie:

  1. Welches Schweißverfahren setzen Sie ein? (MAG, WIG, E-Hand, UP?)
  2. Welche Grundwerkstoffe schweißen Sie? (S235, S355, 316L, Aluminium?)
  3. Welche Nahtgeometrien kommen vor? (Stumpfnaht, Kehlnaht, T-Stoß?)
  4. In welchen Positionen wird geschweißt? (eben, senkrecht, überkopf?)

Schritt 2: WPQR als Grundlage prüfen

Eine WPS braucht eine Qualifikationsgrundlage. Prüfen Sie, ob bereits ein WPQR vorhanden ist, der Ihre geplanten Parameter abdeckt. Falls nicht, benötigen Sie eine Verfahrensprüfung nach ISO 15614 – oder eine alternative Qualifikationsmethode nach ISO 15610–15613.

Schritt 3: WPS ausfüllen

Beispiel MAG-Schweißanweisung (Stumpfnaht, S355, 10 mm):

| Parameter | Wert | | ----------------- | --------------------- | | Verfahren | 135 (MAG) | | Schutzgas | M21 (82% Ar, 18% CO₂) | | Grundwerkstoff | Gruppe 1.2 (S355J2+N) | | Dickenbereich | 5–20 mm | | Nahtform | V-Naht (60°) | | Schweißposition | PA | | Strom (Lage 1) | 160–200 A | | Spannung (Lage 1) | 22–26 V |

Schritt 4: Wärmeeinbringung berechnen

Den Bereich der Wärmeeinbringung beziehungsweise Streckenenergie nennt ISO 15609-1:2019 §4.4.17 – „sofern festgelegt“. Die Wärmeeinbringung Q berücksichtigt zusätzlich den thermischen Wirkungsgrad k des Verfahrens (Q = k · E) und wird nach folgender Formel berechnet:

Q = (U × I × k × 60) / (v × 1000) [kJ/mm]

Dabei ist:

  • U = Schweißspannung in V
  • I = Schweißstrom in A
  • k = thermischer Wirkungsgrad des Verfahrens – welchen Wert Sie ansetzen dürfen, gibt das Regelwerk vor (ISO 15614-1:2017 verweist in §8.4.7 auf ISO/TR 17671-1); wir nennen hier bewusst keine Zahlen, maßgeblich ist die Vorgabe in Ihrer WPS beziehungsweise WPQR
  • v = Schweißgeschwindigkeit in mm/min

Unser Streckenenergie-Rechner gibt Q aus, also die Wärmeeinbringung einschließlich Wirkungsgrad.

Schritt 5: Freigabe durch den RWC, soweit Vertrag oder betriebliche Festlegung das vorsehen

Im Betrieb wird eine WPS vom verantwortlichen Schweißkoordinator (Responsible Welding Coordinator) freigegeben und unterzeichnet, soweit Vertrag oder betriebliche Festlegung das vorsehen – nicht als Pflicht aus ISO 15609-1 (diese regelt in §4 nur den technischen Inhalt der WPS).

Häufige Fehler

  • Streckenenergie nicht dokumentiert, obwohl sie festgelegt ist
  • Falscher Schutzgastyp angegeben (achten Sie auf ISO 14175-Bezeichnungen!)
  • Qualifikationsgrundlage fehlt oder ist ungültig
  • WPS deckt nicht alle tatsächlich eingesetzten Positionen ab

Fazit

Eine WPS muss nicht kompliziert sein. Mit einer strukturierten Vorlage und den richtigen Informationen haben Sie Ihre erste WPS in 30 Minuten ausgefüllt. SchweißDoku bietet vorgefertigte WPS-Vorlagen für MAG, WIG, E-Hand und UP – mit automatischer Streckenenergie-Berechnung und integriertem WPQR-Verweis.