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PraxisWPSISO 15609

WPS erstellen – so gelingt die erste Schweißanweisung in 30 Minuten

Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Erstellung Ihrer ersten normkonformen Schweißanweisung (WPS) nach ISO 15609. Mit konkreten Beispielen für MAG- und WIG-Schweißen.

15. Januar 20263 min Lesezeit

Eine Schweißanweisung (WPS) ist mehr als ein Formular – sie ist der verbindliche Nachweis, dass Ihr Betrieb normkonform schweißt. Viele Betriebe scheuen den Aufwand, weil sie glauben, eine WPS sei kompliziert. Dabei lässt sich die erste WPS in unter 30 Minuten erstellen, wenn man weiß, was wo hingehört.

Was eine WPS leisten muss

Die WPS (Welding Procedure Specification) legt alle wesentlichen Parameter einer Schweißaufgabe fest. Sie richtet sich nach ISO 15609-1 und muss als Qualifikationsgrundlage auf einem WPQR nach ISO 15614 oder einer anderen anerkannten Qualifikation basieren.

Für den Schweißer ist sie die verbindliche Arbeitsanweisung. Für den Auftraggeber und den Prüfer (TÜV, DEKRA, SLV) ist sie der Nachweis, dass die Schweißverbindung die geforderten Eigenschaften erfüllen kann.

Die Pflichtfelder im Überblick

Eine vollständige WPS nach ISO 15609-1 enthält:

  • Identifikation: WPS-Nummer, Ausgabedatum, Revisionsstand
  • Schweißverfahren: z. B. 135 (MAG), 141 (WIG), 111 (E-Hand)
  • Grundwerkstoff: Werkstoffgruppe nach ISO/TR 15608, Normbenennung (z. B. S355J2+N)
  • Schweißzusatz: Normbezeichnung, Schutzgas nach ISO 14175 (z. B. M21 für MAG)
  • Nahtgeometrie: Nahtform, Fugenpräparation, Öffnungswinkel
  • Positionen: PA, PB, PF usw. nach ISO 6947
  • Schweißparameter pro Lage: Strom, Spannung, Drahtvorschub, Schweißgeschwindigkeit, Streckenenergie
  • Vor- und Zwischenlagentemperatur
  • Qualifikationsgrundlage: Verweis auf WPQR-Nummer

Schritt 1: Anforderungen klären

Bevor Sie die WPS ausfüllen, klären Sie:

  1. Welches Schweißverfahren setzen Sie ein? (MAG, WIG, E-Hand, UP?)
  2. Welche Grundwerkstoffe schweißen Sie? (S235, S355, 316L, Aluminium?)
  3. Welche Nahtgeometrien kommen vor? (Stumpfnaht, Kehlnaht, T-Stoß?)
  4. In welchen Positionen wird geschweißt? (eben, senkrecht, überkopf?)

Schritt 2: WPQR als Grundlage prüfen

Eine WPS braucht eine Qualifikationsgrundlage. Prüfen Sie, ob bereits ein WPQR vorhanden ist, der Ihre geplanten Parameter abdeckt. Falls nicht, benötigen Sie eine Verfahrensprüfung nach ISO 15614 – oder eine alternative Qualifikationsmethode nach ISO 15610–15613.

Schritt 3: WPS ausfüllen

Beispiel MAG-Schweißanweisung (Stumpfnaht, S355, 10 mm):

| Parameter | Wert | |-----------|------| | Verfahren | 135 (MAG) | | Schutzgas | M21 (82% Ar, 18% CO₂) | | Grundwerkstoff | Gruppe 1.2 (S355J2+N) | | Dickenbereich | 5–20 mm | | Nahtform | V-Naht (60°) | | Schweißposition | PA | | Strom (Lage 1) | 160–200 A | | Spannung (Lage 1) | 22–26 V | | Streckenenergie | 0,8–1,8 kJ/mm |

Schritt 4: Streckenenergie berechnen

Die Streckenenergie (Heat Input) ist ein Pflichtfeld und wird nach folgender Formel berechnet:

Q = (U × I × k × 60) / (v × 1000) [kJ/mm]

Unser Streckenenergie-Rechner hilft dabei automatisch.

Schritt 5: Autorisierung durch den RWC

Ohne Unterschrift des verantwortlichen Schweißkoordinators (Responsible Welding Coordinator) ist eine WPS nicht gültig. Der RWC bestätigt, dass die WPS normkonform und auf den betrieblichen Prozess zugeschnitten ist.

Häufige Fehler

  • Streckenenergie nicht berechnet oder nicht eingetragen
  • Falscher Schutzgastyp angegeben (achten Sie auf ISO 14175-Bezeichnungen!)
  • Qualifikationsgrundlage fehlt oder ist ungültig
  • WPS deckt nicht alle tatsächlich eingesetzten Positionen ab

Fazit

Eine WPS muss nicht kompliziert sein. Mit einer strukturierten Vorlage und den richtigen Informationen haben Sie Ihre erste WPS in 30 Minuten ausgefüllt. SchweißDoku bietet vorgefertigte WPS-Vorlagen für MAG, WIG, E-Hand und UP – mit automatischer Streckenenergie-Berechnung und integriertem WPQR-Verweis.