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NormWPSISO 15609-1

Schweißanweisung erstellen nach ISO 15609-1 – alle Pflichtangaben auf einen Blick

ISO 15609-1 legt fest, was in einer WPS stehen muss. Dieser Artikel erklärt alle Pflichtangaben mit konkreten Beispielen für MAG, WIG und E-Hand – und wie Sie typische Fehler vermeiden.

20. Januar 20264 min Lesezeit

Die Schweißanweisung (WPS – Welding Procedure Specification) ist das zentrale Dokument im Schweißbetrieb. Sie legt verbindlich fest, wie eine Schweißaufgabe auszuführen ist, und bildet zusammen mit dem WPQR die Qualifikationsgrundlage nach EN 1090-2. Wer eine WPS falsch oder unvollständig ausstellt, riskiert Beanstandungen beim Audit – oder im schlimmsten Fall fehlerhafte Schweißverbindungen.

Was regelt ISO 15609-1?

ISO 15609-1 ist der internationale Standard für Schweißanweisungen beim Lichtbogenschweißen. Er definiert:

  • Welche Angaben eine WPS zwingend enthalten muss (Pflichtfelder)
  • Welche Toleranzen für Schweißparameter zulässig sind
  • Wie die WPS mit dem WPQR (Verfahrensprüfzeugnis) verknüpft sein muss

Die Norm gilt für alle gängigen Lichtbogenschweißverfahren: MAG (135), MIG (131), WIG (141), E-Hand (111), UP (121) und weitere.

Wer braucht eine WPS?

Jeder Betrieb, der nach EN 1090-2 (CE-Kennzeichnung für Stahlbaukonstruktionen) oder nach ISO 3834 (Qualitätsmanagement beim Schmelzschweißen) arbeitet, benötigt normkonforme WPS-Dokumente. Das gilt für:

  • Stahlbau- und Metallbaubetriebe mit EXC2 oder höher
  • Lohnfertiger, die für Auftraggeber mit festgelegten Ausführungsklassen produzieren
  • Hersteller von Druckbehältern, Rohrleitungen und Maschinen

Die Pflichtfelder nach ISO 15609-1

Eine vollständige WPS muss mindestens folgende Angaben enthalten:

| Bereich | Pflichtangabe | |---------|---------------| | Identifikation | WPS-Nummer, Ausgabedatum, Revisionsstand | | Qualifikationsgrundlage | Verweis auf WPQR oder Alternativqualifikation (ISO 15610–15613) | | Schweißverfahren | Prozessnummer nach ISO 4063 (z. B. 135, 141) | | Grundwerkstoff | Werkstoffgruppe nach ISO/TR 15608, Normbenennung | | Schweißzusatz | Normbenennung, Hersteller, Charge (optional) | | Schutzgas | Typ nach ISO 14175 (z. B. M21 für 82% Ar/18% CO₂) | | Nahtgeometrie | Nahtform, Öffnungswinkel, Steghöhe, Wurzelspalt | | Schweißposition | Bezeichnung nach ISO 6947 (PA, PB, PF …) | | Vorwärmtemperatur | Mindesttemperatur in °C | | Zwischenlagentemperatur | Maximaltemperatur in °C | | Schweißparameter | Strom, Spannung, Drahtvorschub je Lage | | Streckenenergie | Berechnet nach Q = (U × I × k × 60) / (v × 1000) [kJ/mm] | | Wärmenachbehandlung | Art, Temperatur, Haltezeit (falls zutreffend) | | Autorisierung | Unterschrift des verantwortlichen Schweißkoordinators |

Beispiel: MAG-WPS für S355, 10 mm Stumpfnaht

Damit die Angaben greifbar werden, hier ein konkretes Beispiel:

| Parameter | Wert | |-----------|------| | WPS-Nummer | WPS-MAG-001 | | Verfahren | 135 (MAG) | | Schutzgas | M21 (ISO 14175) | | Grundwerkstoff | Gruppe 1.2 – S355J2+N (EN 10025-2) | | Zusatzwerkstoff | G3Si1 (ISO 14341-A) | | Nahtform | V-Naht, 60°, Steghöhe 2 mm | | Position | PA (eben, wannen) | | Vorwärmen | Min. 20°C (CE-Wert < 0,43) | | Zwischenlagentemp. | Max. 250°C | | Strom Lage 1 | 160–200 A (Gleichstrom +) | | Spannung Lage 1 | 22–26 V | | Drahtvorschub | 6–9 m/min | | Streckenenergie | 0,8–1,8 kJ/mm | | WPQR-Verweis | WPQR-001 |

Die Streckenenergie richtig berechnen

Die Streckenenergie (Heat Input) ist häufig eine Schwachstelle in WPS-Dokumenten. Sie wird berechnet nach:

Q = (U × I × k × 60) / (v × 1000) [kJ/mm]

Dabei ist:

  • U = Schweißspannung in V
  • I = Schweißstrom in A
  • k = Wirkungsgrad (MAG: 0,8 / WIG: 0,6 / E-Hand: 0,8)
  • v = Schweißgeschwindigkeit in mm/min

Unser Streckenenergie-Rechner berechnet die Streckenenergie automatisch auf Basis Ihrer Parameter.

WPS und WPQR: Die Verknüpfung verstehen

Eine WPS kann nur dann gültig ausgestellt werden, wenn eine gültige Qualifikationsgrundlage vorhanden ist. Die häufigsten Grundlagen sind:

  1. WPQR nach ISO 15614-1 (Verfahrensprüfung – Standardweg)
  2. Vorprüfung nach ISO 15610 (Grundlage: vorab geprüfte Schweißzusätze)
  3. Standardschweißverfahren nach ISO 15612 (für einfache Nahtgeometrien)
  4. Arbeitskenntnis nach ISO 15613 (Einzelfertigung mit nachgewiesener Erfahrung)

Der Gültigkeitsbereich des WPQR bestimmt, welche Parameter in der WPS zulässig sind. Mehr zum WPQR-Geltungsbereich erfahren Sie in unserem Wissensartikel.

Typische Fehler bei der WPS-Erstellung

Fehler 1: Streckenenergie nicht berechnet Die Streckenenergie muss pro Lage angegeben werden. Viele Betriebe lassen das Feld leer oder geben unrealistische Werte an.

Fehler 2: Falscher Schutzgastyp „Mischgas" reicht nicht. Es muss die genaue ISO 14175-Bezeichnung stehen (z. B. M21, I1, C1).

Fehler 3: WPS deckt nicht alle eingesetzten Positionen ab Eine WPS für PA qualifiziert nicht automatisch für PF (steigend). Prüfen Sie, ob Ihr WPQR die gewünschte Position abdeckt.

Fehler 4: Qualifikationsgrundlage ungültig Wenn der WPQR mehr als 3 Jahre alt ist und keine Verlängerung existiert, ist die WPS de facto ungültig.

Fehler 5: Keine Autorisierung Eine WPS ohne Unterschrift des verantwortlichen Schweißkoordinators (RWC) ist formal unwirksam.

Wie SchweißDoku hilft

Mit SchweißDoku erstellen Sie normkonforme WPS-Dokumente in einem geführten Formular:

  • Automatische Streckenenergie-Berechnung
  • Direkter Verweis auf vorhandene WPQR-Dokumente
  • Gültigkeitsbereichs-Abgleich: WPS innerhalb WPQR-Grenzen?
  • PDF-Export für Audits und Werkstatt-Aushang
  • Automatische Versionsverwaltung und Freigabe-Workflow

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