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NormenISO 9606Qualifikation

ISO 9606-1 Schweißerqualifikation – was Betriebe wirklich wissen müssen

ISO 9606-1 verständlich erklärt: Prüfungsaufbau, Gültigkeitsbereiche, die 6-Monats-Regel und wie Fristen effizient verwaltet werden.

27. Februar 2026Aktualisiert: 4.10.2026ca. 4 Min. Lesezeit

Jeder Schweißer, der nach ISO 9606-1 qualifiziert ist, kann das nicht ohne laufende Bestätigung und nicht für alle Anwendungen. Die Norm definiert präzise, für welche Verfahren, Zusatzwerkstoffe und Positionen eine Qualifikation gilt – und unter welchen Fristen und Bedingungen sie gültig bleibt.

Warum ISO 9606 so wichtig ist

EN 1090-2 verlangt in Abschnitt 7.4.2.1, dass Schweißer nach EN ISO 9606-1 qualifiziert sind und die Aufzeichnungen aller Schweißerprüfungen verfügbar gehalten werden. Eine Schweißerqualifikation ohne gültigen Nachweis erfüllt diese Anforderung nicht.

Was die Prüfung abdeckt

Eine ISO 9606-1-Prüfung ist keine allgemeine Schweißerprüfung. Sie ist spezifisch auf:

  • Schweißverfahren: 111 (E-Hand), 135 (MAG), 141 (WIG), 121 (UP)
  • Zusatzwerkstoffgruppe: FM1 bis FM6 nach Tabelle 2 der Norm (z. B. FM1 für unlegierte und Feinkornstähle); der Grundwerkstoff des Prüfstücks kann aus den Gruppen 1 bis 11 nach ISO/TR 15608 stammen
  • Nahtart: Stumpfnaht oder Kehlnaht
  • Schweißposition: PA, PB, PF, PE, PC usw.
  • Bauteilform: Blech oder Rohr
  • Wanddicke und Rohrdurchmesser

Jede dieser Variablen bestimmt den Gültigkeitsbereich der Qualifikation.

Die wichtigste Regel: 6 Monate

Die 6-Monats-Regel nach Abschnitt 9.2: Die Qualifikation eines Schweißers für einen Prozess ist alle 6 Monate zu bestätigen – durch die für die Schweißtätigkeiten verantwortliche Person oder durch den Prüfer bzw. die Prüfstelle. Bestätigt wird, dass der Schweißer im Geltungsbereich seiner Qualifikation gearbeitet hat; die Gültigkeit verlängert sich damit um weitere 6 Monate.

Wird nicht bestätigt, wird das Zertifikat ungültig (Abschnitt 9.1) – unabhängig davon, welcher Revalidierungsweg nach Abschnitt 9.3 auf dem Zertifikat steht und ob dessen Frist noch läuft.

In der Praxis bedeutet das: Die Bestätigung setzt voraus, dass der Schweißer mit dem jeweiligen Prozess im Geltungsbereich gearbeitet hat. Hat er das nicht, kann für diesen Prozess nicht bestätigt werden.

Verlängerungsmethoden und Gesamtgültigkeit

ISO 9606-1:2012 (europäisch EN ISO 9606-1:2017) kennt in Abschnitt 9.3 drei Wege, die Qualifikation zu revalidieren. Revalidiert wird durch einen Prüfer oder eine Prüfstelle; welcher Weg gilt, wird bei der Ausstellung auf dem Zertifikat angegeben (Abschnitt 9.1):

  1. Weg a) – Wiederholungsprüfung alle 3 Jahre: Der Schweißer wird alle 3 Jahre erneut geprüft.

  2. Weg b) – Prüfung von zwei Nähten alle 2 Jahre: Alle 2 Jahre werden zwei Nähte, die in den letzten 6 Monaten der Gültigkeit geschweißt wurden, durch Durchstrahlungs-, Ultraschall- oder zerstörende Prüfung geprüft und aufgezeichnet. Die Bewertung folgt Abschnitt 7; die Nähte bilden die ursprünglichen Prüfbedingungen nach, ausgenommen Dicke und Außendurchmesser. Das revalidiert die Qualifikation für weitere 2 Jahre.

  3. Weg c) – ohne feste Frist unter Bedingungen: Die Qualifikation bleibt gültig, solange sie nach Abschnitt 9.2 bestätigt wird und alle Bedingungen erfüllt sind (sinngemäß nach Abschnitt 9.3 c)): Der Schweißer arbeitet für denselben Hersteller, für den er qualifiziert wurde und der für die Herstellung des Produkts verantwortlich ist; das Qualitätsprogramm des Herstellers ist nach ISO 3834-2 oder ISO 3834-3 verifiziert; der Hersteller hat dokumentiert, dass der Schweißer Nähte akzeptabler Qualität nach den Anwendungsnormen gefertigt hat, und die geprüften Nähte bestätigen Position(en), Nahtart (FW/BW) und Badsicherung (mb/nb) der Qualifikation.

Die 6-Monats-Bestätigung nach Abschnitt 9.2 gilt für alle drei Wege. Welche Frist für einen Schweißer läuft, zeigt unser Schweißerqualifikations-Checker nach Eingabe des Wegs laut Zertifikat.

Gültigkeitsbereiche in der Praxis

Ein Beispiel: Ein Schweißer legt eine Prüfung in Verfahren 135 mit einem Zusatzwerkstoff der Gruppe FM1 ab, Stumpfnaht am Blech, Position PF, Dicke 12 mm in mindestens 3 Lagen, ein Verfahren.

Seine Qualifikation gilt dann für:

  • Verfahren 135 und 138 (Abschnitt 5.2: der Wechsel zwischen Massivdraht 135 und Metallpulver-Fülldraht 138 erfordert keine neue Prüfung) – nicht für WIG oder E-Hand
  • Zusatzwerkstoffgruppen FM1 und FM2 (Tabelle 3), auf Grundwerkstoffen der Gruppen 1 bis 11
  • Stumpfnähte – keine Kehlnähte: Stumpfnähte qualifizieren keine Kehlnähte, außer mit einem zusätzlichen Kehlnaht-Prüfstück (Abschnitt 5.4)
  • Positionen PA und PF für Stumpfnähte (Tabelle 9)
  • Dicken ab 3 mm (Tabelle 6, Prüfstück ab 12 mm in mindestens 3 Lagen)

Qualifikationsmanagement in der Praxis

In einem Betrieb mit 10 Schweißern fallen allein für die 6-Monats-Bestätigungen mindestens 20 Termine im Jahr an (zwei je Schweißer und Prozess), dazu die Revalidierungen nach dem jeweiligen Weg. Ohne systematisches Tracking ist das fehleranfällig.

Typische Szenarien die schiefgehen:

  • Schweißer wechselt die Abteilung, RWC wird nicht informiert
  • 6-Monats-Bestätigung wird zwar mündlich gegeben, aber nicht dokumentiert
  • Qualifikation läuft ab, weil alle davon ausgingen, der andere kümmert sich darum

SchweißDoku zeigt ablaufende Qualifikationen nach Restlaufzeit sortiert im Dashboard – und dokumentiert 6-Monats-Bestätigungen mit Datumsstempel.