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9 min Lesezeit

WPQR Verfahrensprüfung Schweißen — Grundlagen nach ISO 15614-1

Eine WPQR (Welding Procedure Qualification Record) ist der Nachweis, dass ein Schweißverfahren die normativen Anforderungen erfüllt. Sie ist die Grundlage jeder qualifizierten Schweißanweisung (WPS) — für EXC3- und EXC4-Bauteile praktisch unumgänglich, für EXC2 einer von mehreren zulässigen Qualifizierungswegen.

Was ist eine WPQR?

Die WPQR (Welding Procedure Qualification Record, deutsch: Schweißverfahrensprüfprotokoll) dokumentiert das Ergebnis einer Verfahrensprüfung. Sie belegt, dass ein konkretes Schweißverfahren — festgelegter Prozess, festgelegte Werkstoffe, festgelegte Parameter — die in der Norm geforderten mechanischen und geometrischen Eigenschaften erreicht.

Die WPQR ist kein Arbeitsdokument für den Schweißer. Sie ist der Qualifikationsnachweis, aus dem eine oder mehrere Schweißanweisungen (WPS) abgeleitet werden. Erst die freigegebene WPS steuert die tägliche Schweißarbeit im Betrieb.

Wann ist eine WPQR Pflicht?

Eine Verfahrensprüfung wird überall dort Pflicht, wo eine qualifizierte WPS Voraussetzung ist. In der Praxis sind das vor allem drei Anlässe:

  • EN 1090 ab EXC2: Tragwerksbauteile aus Stahl müssen nach einer qualifizierten WPS geschweißt werden. Ab EXC3 führt daran praktisch kein Weg vorbei; bei EXC2 kann die Qualifikation je nach Werkstoff und Verfahren auch über ISO 15611, 15612 oder 15613 erbracht werden.
  • ISO 3834-2 / -3: Qualitätsanforderungen an das Schmelzschweißen verlangen eine dokumentierte Verfahrensprüfung.
  • Druckgeräterichtlinie (PED): Bei drucktragenden Schweißverbindungen ist die WPQR Teil der werkstoff- und verfahrensbezogenen Dokumentation.

Ablauf einer Verfahrensprüfung nach ISO 15614-1

Eine Verfahrensprüfung läuft immer in denselben Stationen ab. Im Detail wird der Ablauf auf der Schwester-Seite zum Ablauf beschrieben — hier die Kurzfassung:

  1. pWPS erstellen: Der Betrieb legt eine vorläufige Schweißanweisung mit allen geplanten Parametern an (Werkstoff, Verfahren, Nahtform, Position, Parameter).
  2. Prüfstück schweißen: Ein qualifizierter Schweißer (ISO 9606) schweißt das Prüfstück unter Aufsicht, Parameter werden lückenlos protokolliert.
  3. Zerstörungsfreie Prüfung (ZfP): Sichtprüfung (VT) sowie Durchstrahlungs- (RT) oder Ultraschallprüfung (UT) je nach Norm.
  4. Zerstörende Prüfung: Querzugversuch, Biegeversuch, Makroschliff, Härteprüfung (HV) und — je nach Werkstoff und Anforderung — Kerbschlagbiegeversuch.
  5. WPQR ausstellen: Das Prüfinstitut stellt die WPQR aus, sobald alle Prüfungen bestanden sind.
  6. WPS ableiten: Aus der WPQR wird mindestens eine WPS abgeleitet und vom Schweißkoordinator (IWE / IWT / IWS) freigegeben.

Geltungsbereich nach ISO 15614-1

Der Geltungsbereich (Range of Approval) legt fest, für welche späteren Bauteile die WPQR gilt. Vier Faktoren bestimmen ihn:

  • Werkstoffgruppe nach ISO/TR 15608:2017
  • Werkstoffdicke (Tabelle 7 / Tabelle 8 der ISO 15614-1:2017)
  • Nahtart (Stumpfnaht BW, Kehlnaht FW)
  • Schweißposition nach ISO 6947 (PA, PB, PC, PD, PE, PF)

Die detaillierten Tabellen und das Level-1/Level-2-Modell nach EN 1090-2 behandeln wir ausführlich auf Geltungsbereich ISO 15614-1. Mit dem kostenlosen WPQR-Rechner lässt sich der Bereich aus dem Prüfstück direkt ableiten.

Werkstoffgruppen nach ISO/TR 15608:2017

ISO/TR 15608:2017 gruppiert metallische Werkstoffe hierarchisch in Hauptgruppen (Stähle, Aluminium-, Kupfer-, Nickel-Legierungen etc.) und Untergruppen nach Streckgrenze, chemischer Zusammensetzung und Wärmebehandlung. Für die WPQR ist relevant, welche Werkstoffgruppe im Prüfstück verwendet wurde — die Überdeckungsregeln der ISO 15614-1 bestimmen, welche Nachbargruppen abgedeckt sind.

Quelle: ISO/TR 15608:2017 „Schweißen — Richtlinien für eine Gruppeneinteilung von metallischen Werkstoffen“; die genauen Überdeckungsregeln stehen in ISO 15614-1 Anhang A.

Dicken-Geltungsbereich (Stumpfnaht, BW)

Aus der Prüfstückdicke t leitet ISO 15614-1:2017 Tabelle 7 den qualifizierten Dickenbereich ab. Für Stumpfnähte gilt vereinfacht: Die WPQR deckt Dicken in einem Bereich um die Prüfstückdicke ab — die genauen Faktoren hängen von der Ausführungsklasse ab (Level 1 nach EN 1090-2 Tabelle 12 oder Level 2 direkt nach ISO 15614-1:2017). Sonderregeln gelten unter anderem für Prozesse mit hohen Raupendicken (z. B. UP) und für die Kerbschlagprüfung.

Die genauen Tabellen sowie Kehlnaht-Regeln und Sonderfälle siehe Geltungsbereich ISO 15614-1.

WPQR, WPS und pWPS — der Unterschied

Die drei Dokumente werden im Alltag oft verwechselt. Dabei haben sie klar getrennte Rollen:

DokumentRolleStatus
pWPSVorläufige Schweißanweisung als Eingangsgröße für die Prüfungvor der Verfahrensprüfung
WPQRErgebnisprotokoll der Verfahrensprüfung mit Geltungsbereichnach bestandener Prüfung
WPSQualifizierte Schweißanweisung, abgeleitet aus einer WPQR, vom RWC freigegebenArbeitsgrundlage im Betrieb

Wiederholungsprüfung und Revalidierung

Eine WPQR verfällt nicht automatisch nach einer bestimmten Frist. Eine neue Verfahrensprüfung wird erforderlich, wenn ein wesentlicher Parameter außerhalb des dokumentierten Geltungsbereichs geändert wird — typische Auslöser:

  • Wechsel der Werkstoffgruppe (z. B. von Baustahl zu austenitischem Cr(Ni)-Stahl)
  • Blechdicke außerhalb des zulässigen Bereichs nach Tabelle 7 / 8
  • Hinzufügen oder Entfernen einer Wärmenachbehandlung (PWHT)
  • Wechsel des Schweißprozesses oder Zusatzwerkstoffs außerhalb der Zulässigkeit

Alternative Qualifikationswege

ISO 15614-1 ist der häufigste, aber nicht der einzige Weg zur qualifizierten WPS. Anerkannt sind außerdem:

  • ISO 15613: Qualifizierung durch Arbeitsprüfung (vor Ort, weniger Aufwand, eingeschränkter Geltungsbereich)
  • ISO 15612: Standard-Schweißverfahren ohne Prüfschweißung
  • ISO 15610: Qualifizierung über geprüfte Schweißzusätze
  • ISO 15611: Qualifizierung auf Basis nachgewiesener Schweißerfahrung

So unterstützt SchweißDoku bei der WPQR-Verwaltung

WPQR-Daten digital erfassen — Geltungsbereich wird automatisch berechnet
WPS aus gespeicherten WPQR ableiten — Abgleich mit einem Klick
Ausführungsklasse (EXC1–EXC4) je Norm automatisch berücksichtigt
Verknüpfung zwischen Schweißer (ISO 9606), WPQR und WPS durchgängig dokumentiert

Häufige Fragen zur WPQR Verfahrensprüfung

Was bedeutet WPQR?

WPQR steht für Welding Procedure Qualification Record. Es ist das Ergebnisprotokoll einer Verfahrensprüfung nach ISO 15614-1 und dokumentiert, dass ein Schweißverfahren unter definierten Bedingungen die geforderten Eigenschaften erreicht.

Wann brauche ich eine WPQR?

Unter EN 1090 (ab EXC2) und ISO 3834-2 muss die WPS qualifiziert sein — ohne Qualifikationsgrundlage darf keine WPS ausgestellt und nicht nach ihr geschweißt werden. Die Verfahrensprüfung nach ISO 15614-1 ist dafür der breiteste Weg und für EXC3/EXC4 praktisch unumgänglich. Bei EXC2 lässt EN 1090-2 daneben weitere Qualifizierungswege zu, etwa Standardschweißverfahren nach ISO 15612, bewährte Erfahrung nach ISO 15611 oder die vorgezogene Arbeitsprüfung nach ISO 15613. Welcher Weg zulässig ist, hängt von Werkstoff, Verfahren und Bauteil ab.

Wie lange ist eine WPQR gültig?

Eine WPQR nach ISO 15614-1 ist grundsätzlich unbegrenzt gültig, solange alle wesentlichen Variablen innerhalb des dokumentierten Geltungsbereichs bleiben. Ändert sich ein wesentlicher Parameter, ist eine neue Verfahrensprüfung erforderlich.

Was ist der Unterschied zwischen WPQR, pWPS und WPS?

Die pWPS ist die vorläufige Schweißanweisung vor der Prüfung. Die WPQR ist das Ergebnisprotokoll der Verfahrensprüfung. Die WPS ist die qualifizierte Schweißanweisung, die aus einer bestandenen WPQR abgeleitet und vom Schweißkoordinator freigegeben wird.

Wer darf eine Verfahrensprüfung durchführen?

Die Prüfschweißung wird von einer anerkannten Prüfstelle (z. B. SLV, TÜV, DEKRA) oder einer qualifizierten schweißtechnischen Prüfaufsichtsperson begleitet. Die zerstörenden und zerstörungsfreien Prüfungen führt ein akkreditiertes Labor durch.