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WPS erstellen – Schweißanweisung nach ISO 15609 Schritt für Schritt

Eine normkonforme Schweißanweisung (Welding Procedure Specification) ist die Grundlage jeder qualitätsgesicherten Schweißarbeit. Hier erfahren Sie, was eine WPS enthalten muss und wie Sie die ersten erstellen.

Was ist eine WPS?

Eine WPS (Welding Procedure Specification) ist ein Dokument, das alle wesentlichen Parameter für eine Schweißaufgabe festlegt: von der Werkstoffzusammensetzung über die Schweißparameter bis hin zur Wärmebehandlung. Sie dient dem Schweißer als verbindliche Arbeitsanweisung und dem Auftraggeber als Qualitätsnachweis.

Die WPS ist nach ISO 15609-1 (Lichtbogenhandschweißen und verwandte Verfahren) oder ISO 15609-2 bis -6 (andere Verfahren) aufgebaut. Für die meisten industriellen Anwendungen gilt ISO 15609-1.

Pflichtfelder einer WPS nach ISO 15609-1

Diese Informationen müssen in jeder WPS enthalten sein:

  1. Identifikation: WPS-Nummer, Ausgabedatum, Revisionsstand, Ersteller, Autorisierung (Unterschrift RWC)
  2. Schweißverfahren: Prozessnummer nach ISO 4063 (z. B. 135 für MAG, 141 für WIG, 111 für E-Hand)
  3. Grundwerkstoff: Werkstoffgruppe nach ISO/TR 15608, Normbenennung (z. B. S355J2), Dickenbereich
  4. Schweißzusatz: Normbezeichnung, Schutzgastyp und -zusammensetzung (nach ISO 14175)
  5. Nahtgeometrie: Nahtform, Fugenpräparation, Öffnungswinkel, Stegbreite, Einbrandtiefe
  6. Schweißpositionen: z. B. PA, PB, PF, PE nach ISO 6947
  7. Schweißparameter je Lage: Strom (A), Spannung (V), Drahtvorschub (m/min), Schweißgeschwindigkeit (cm/min), Streckenenergie (kJ/mm)
  8. Vorwärm- und Zwischenlagentemperatur: Min./Max. in °C
  9. Wärmebehandlung nach dem Schweißen: falls erforderlich
  10. Qualifikationsgrundlage: Verweis auf WPQR-Nummer oder andere Qualifikationsgrundlage

pWPS – die vorläufige Schweißanweisung

Bevor eine Verfahrensprüfung (WPQR) durchgeführt wird, erstellt der Betrieb eine pWPS (preliminary WPS). Sie enthält alle geplanten Schweißparameter und bildet die Grundlage für den Prüfschweißer. Nach der Prüfung und Auswertung wird die pWPS – bei bestandener Prüfung – zur qualifizierten WPS.

Gültigkeitsbereiche einer WPS

Eine WPS gilt nicht für alle Anwendungen, sondern nur für die in der Verfahrensprüfung abgedeckten Gültigkeitsbereiche:

  • Werkstoffdicke: typischerweise gilt die WPS für 0,5t bis 2t der geprüften Dicke
  • Werkstoffgruppe: nach ISO/TR 15608 – übergeordnete Gruppen decken untergeordnete Gruppen ab
  • Schweißverfahren: keine Übertragbarkeit auf andere Prozesse
  • Schweißpositionen: schwierigere Positionen decken einfachere ab (z. B. PC deckt PA ab, aber nicht PF)

Schritt-für-Schritt zur fertigen WPS

  1. Anforderungen klären: Welche Werkstoffe, Verfahren, Nahtarten und Positionen werden in Ihrem Betrieb eingesetzt?
  2. Prüfen, ob vorhandene WPQR (Verfahrensprüfungen) den Gültigkeitsbereich abdecken.
  3. pWPS erstellen: Alle Parameter nach ISO 15609-1 ausfüllen.
  4. Falls kein WPQR vorhanden: Verfahrensprüfung nach ISO 15614 beauftragen oder alternative Qualifikationsgrundlage prüfen.
  5. WPS vom verantwortlichen Schweißkoordinator (RWC) prüfen und unterzeichnen lassen.
  6. WPS in die betriebliche Dokumentation aufnehmen und versionieren.

Häufige Fehler beim WPS-Erstellen

  • Streckenenergie nicht dokumentiert (Pflichtfeld nach ISO 15609-1 Abschnitt 7.1.7)
  • Kein gültiger WPQR als Qualifikationsgrundlage hinterlegt
  • Schweißparameter außerhalb der geprüften Toleranzbereiche
  • WPS nicht durch den Schweißkoordinator autorisiert (fehlende Unterschrift)
  • Keine Revisionskontrolle – alte WPS-Versionen noch im Umlauf

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Häufige Fragen

Wie viele WPS braucht ein typischer Metallbaubetrieb?

Ein mittlerer Metallbaubetrieb mit EXC2-Zertifizierung benötigt typischerweise 5 bis 20 WPS – abhängig von den eingesetzten Grundwerkstoffen, Schweißverfahren (MAG, MIG, WIG, E-Hand), Nahtarten (Stumpf, Kehl) und Positionen (PA, PB, PF).

Was ist der Unterschied zwischen pWPS und WPS?

Eine pWPS (preliminary Welding Procedure Specification) ist eine vorläufige Schweißanweisung, die vor der Verfahrensprüfung erstellt wird. Nach erfolgreich abgeschlossener Verfahrensprüfung (WPQR nach ISO 15614) wird aus der pWPS eine qualifizierte WPS.

Kann ich eine WPS ohne Verfahrensprüfung erstellen?

Ja. Für bestimmte Anwendungen erlaubt ISO 15613 (Arbeitsprüfung) oder ISO 15610/15611/15612 eine Qualifizierung ohne aufwändige Verfahrensprüfung. Außerdem akzeptieren manche Normen Vorqualifizierungen (z. B. nach ISO 15614-1 Anhang B).

Muss eine WPS unterschrieben werden?

Ja. Eine WPS muss vom verantwortlichen Schweißkoordinator (Responsible Welding Coordinator) freigegeben und unterzeichnet werden. Ohne Autorisierung ist sie rechtlich nicht gültig.